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Der schmale Weg

Das Alte Testament – notwendig, nützlich oder überflüssig?

Gelegentlich werde ich gefragt, warum man das Alte Testament überhaupt braucht.

Das Neue Testament ist doch das aktuelle Buch. Quasi der Update. Warum also noch mit der alten Version arbeiten? Oder?

Altes Testament

Hier habe ich ein Photo eines alten Schinkens, wie man ihn auf die Frage “Habt Ihr eine Bibel im Haus?” gelegentlich gezeigt bekommt. In altdeutscher Schrift und der heute etwas schwer lesbaren “Luther 1912”-Übersetzung. Kein Wunder, wenn man darin heute nicht gerne liest. Eine moderne Übersetzung sollte es schon sein. Ich lese das Alte Testament am liebsten in der “Gute Nachricht”-Übersetzung oder in der “Hoffnung für alle”-Übersetzung, besonders wenn man ganze Geschichten im Zusammenhang verstehen will. Es ist dann wie ein spannendes Abenteuerbuch. Für genauere Überlegungen wählt man dann die “Schlachter 1985”-Übersetzung und die “Luther 1984”-Übersetzung. Egal welche Übersetzung man wählt, man wird überrascht sein, wie genau die verschiedenen Übersetzungen miteinander übereinstimmen und wie subtil dennoch die Unterschiede sind.

Wilhelm Busch - Spuren zum KreuzKürzlich bekam ich aber wieder einmal das Büchlein “Spuren zum Kreuz – Christus im Alten Testament” von Wilhelm Busch (Aussaat-Verlag Neukirchen-Vluyn, 9. Auflage 2002) in die Hand. Das ganze Buch geht darum, wo man Jesus Christus im Alten Testament finden kann. Entweder als “Schatten”, also als impliziten Hinweis, oder auch als direkten bzw. expliziten Hinweis. Sehr interessant!

Im Vorwort schreibt Wilhelm Busch selbst, dass er im Studium seine Probleme mit dem Alten Testament gehabt hat, und zwar vor allem wegen dem, was er im Fach Bibelkritik gelernt hatte.

Seine Mutter brachte ihn zurück auf den Weg, indem sie ihm bezeugte, dass das 3. Buch Mose (Levitikus, ein Buch voller Regeln aber auch großer Wahrheiten über Gott) ihr ein großer Segen sei.

Wilhelm Busch verweist in seinem Buch auf die folgenden Bücher, die er anschließend gelesen hatte:

“Alttestamentliche Bilder” von Spurgeon
“Blicke in das Reich der Gnade” von F.W. Krummacher
“Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan” von G.D. Krummacher
Schriften der Mme. De la Mothe-Guyon

Leider sind diese Bücher von Spurgeon und den beiden Krummachers heute alle vergriffen, aber vielleicht werden Sie als eBook noch einmal veröffentlicht. Immerhin ist deren Urheberrecht – mit Ausnahme der Bücher von Pastor Wilhelm Busch – heute schon lange abgelaufen.

Wie dem auch sei, das Buch ist gut. Und das Alte Testament bleibt ein Thema für Wilhelm Busch. Von ihm habe ich zum Beispiel gelernt, dass das Neue Testament im Licht des Alten Testaments zu lesen und weiterzugeben ist, ganz nach dem Beispiel Paulus´ bei der jüdischen Gemeinde von Thessalonich und bei derjenigen in Beröa:

Nach seiner Gewohnheit ging Paulus in ihre Synagoge. An drei aufeinander folgenden Sabbaten sprach er zu den Versammelten. Er ging von den Heiligen Schriften aus, half ihnen, sie zu verstehen, und wies ihnen daraus nach, dass der darin versprochene Messias leiden und sterben und danach vom Tod auferstehen musste. »Und dieser versprochene Messias«, sagte Paulus, »ist Jesus. Den verkündige ich euch.«

Noch in der Nacht brachten die Brüder Paulus und Silas auf den Weg nach Beröa. Auch dort gingen die beiden bei der ersten Gelegenheit in die Synagoge. Die Juden in Beröa waren aufgeschlossener als die in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft mit großer Bereitwilligkeit auf und studierten täglich die Heiligen Schriften, um zu sehen, ob das, was Paulus sagte, auch zutraf.
Apg 17,2-12

Auch im Buch “Jesus predigen” von Pastor Wilhelm Busch (Aussaat Verlag 1996, S. 30 ff) findet man etwas darüber, aber dieses Buch ist ebenfalls vergriffen. Gelegentlich findet man es gebraucht auf Amazon.de.

Hier einige Gründe, warum man das Alte Testament unbedingt braucht, wenn man die Gute Nachricht des Neuen Testaments verstehen will:

  • Der Gott des Alten Testaments, Jahwe, ist buchstäblich und wahrhaftig der Vater Jesu Christi, d.h. Jesus Christi ist ein Teil von ihm,
  • Der Christus bzw. Messias, Gesalbte, Retter, etc. wird im Alten Testament bezeugt. Er ist im Alten Testament gegenwärtig,
  • Israel ist das Abbild “der Kirche”: Israel hatte den Bund (alten Bund) zerbrochen, war von Gott verworfen und – zeitweise – beiseitegestellt. Gott hat sich ein neues Eigentumsvolk in Jesus erworben (neuer Bund = Neues Testament). Dem neutestamentlichen Israel wird das alttestamentliche Israel als Warnung vor Augen gestellt. Umgekehrt sind auch die alttestamentlichen Glaubensmänner dem neutestamentlichen Israel vor Augen gestellt.

Und schließlich habe ich auch noch etwas von meinem allerersten Pastor, Theodoro Friesen in München, mitbekommen: man braucht das Alte Testament ganz einfach, um Tatsachen des neuen Testaments verstehen zu können. Zum Beispiel warum es aus rechtlicher Sicht ein großes Wunder war, dass Jesus Christus von einer unverheirateten aber bereits verlobten Frau geboren werden konnte. Nach dem Gesetz hätte Maria deswegen die Todesstrafe verdient gehabt, was damals wie heute im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika, und in einigen Westasiatischen Ländern gang und gäbe war und ist. Genau diesem Thema ist übrigens an einer anderen Stelle auf dieser Homepage ein eigener Artikel gewidmet, es wird nämlich anhand dieser Geschichte gezeigt, wie Gott seine Kinder immer wieder in letzter Minute vor dem Aus errettet.

BITTE BEACHTEN!

Was wir Menschen tun ist zwangsläufig mit Fehlern behaftet.
Die Bibel rät deshalb: “Prüft alles und das Gute behaltet!” (1. Thess 5, 21)

Entsprechend haben sich die Männer von Beröa verhalten, über die Folgendes berichtet wird:
“Diese aber waren freundlicher als die in Thessalonich; sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich’s so verhielte.” (Apg 17, 11)