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Singapore

Deutscher Klub in Singapur

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von Sven Suhrbier

Rubrik Interessantes … Deutscher Klub in Singapur. Am Wochenende kam im Freundeskreis die Frage auf, warum eine relativ große Landmannschaft wie die Deutsche hier eigentlich keinen eigenen Klub als Treffpunkt der Gemeinde unterhält. Kleineren, z.B. Schweizern oder Holländern gelingt dies sehr erfolgreich. Nun – das war nicht immer so.

Auf den Seiten der heutigen German Association ist die rund 150 Jahre lange Geschichte des ehemaligen Deutschen Klubs – mit dem famosen heutigen Goodwood Park Hotel als Klubhaus des damaligen Klub Teutonia bis zum ersten Weltkrieg – gut beschrieben. Durch die Kriegsereignisse ging das Klubhaus verloren. Genauso ein neues, in der Zwischenkriegszeit errichtetes, nach Ende des zweiten Weltkrieges. Aber auch nach Ende der Besatzung Singapurs, und der Wiedereinsetzung der Britischen Kolonialverwaltung, lebte der Klub fort. Hierzu gibt es aber auf den Seiten der German Association leider wenig Informationen. Obwohl das Thema interessant ist.

Relativ schnell, in den frühen 50’er Jahren begann die Deutsche Gemeinde wieder zu wachsen. Alte Handelshäuser nahmen ihre Aktivitäten wieder auf, genauso Reedereien und Banken. Später kam es auch zu interessanten ersten deutschen Industrieansiedlungen, z.B. die Kameraproduktion der Firma Rollei. Der Wunsch nach einem neuen Klubhauses wurde laut. Die Bundesrepublik Deutschland besaß an der First Avenue ein Grundstück. Dieses stellte sie dem Deutschen Klub zur Verfügung, ein neues Klubhaus entstand. Als einzige Fazilität gab es (später, nicht direkt bei Eröffnung) einen kleinen Pool. Ansonsten handelte es sich um ein offenes Konzept mit Innen- und Außengastronomie. Der Außenbereich hatte den Charakter eines Biergartens.

Das Konzept war, zu einem angemessenen Mitgliedsbeitrag, und einmaliger sehr geringer Aufnahmegebühr, typisch deutsche Küche anzubieten, daneben Getränke zu Preisen, unterhalb des Preislevels der Gastronomie. Das unterschied den Deutschen Klub von anderen. Dort, z.B. im Swiss Club, sind die Getränkepreise auf Gastronomielevel. Dafür erhält man für den monatlichen Mitgliedsbeitrag aber Zugang zu den Fazilitäten, die es im deutschen Klub nicht gab.

Über die Jahrzehnte der Nachkriegszeit, die Unabhängigkeit Singapurs, und der weiteren Entwicklung des Landes, sowie der wachsenden Deutschen Gemeinde hier, lief der Klubbetrieb hervorragend. Die Atmosphäre war sehr familiär, beim Personal gab es kaum Fluktuation. Der Klub war zentraler Treffpunkt der deutschen Gemeinde.

Nun aber – wir sind Mitte der 90’er Jahre angelangt – ergab sich ein Problem. Über die Jahre war die Stadt gewachsen. War der Bereich der First Avenue in der Nachkriegszeit relativ abgelegen, hatte er sich mittlerweile zu einem sehr exklusiven Wohnquartier, große Grundstücke mit freistehenden Häusern, entwickelt. Vermehrt kam es zu Klagen über den Deutschen Klub, an- und abfahrenden Verkehr täglich bis in den späten Abend, zugeparkte Seitenstraßen am Wochenende, Lärm durch den Biergarten … in Deutschland wäre es kaum anders gewesen. In der Folge begannen die Behörden, auf eine Verlegung des Klubhauses zu drängen. Zunächst durch Hinweise und Gespräche, als sich wenig tat durch Terminsetzungen. Am Ende durch eine Frist. Nur bis Ende des zweiten Quartals 2000 würde die Schranklizenz maximal verlängert. Faktisch das Ende.

Im Klub – unter den Mitgliedern, sowie innerhalb des Vorstandes – begannen rege Diskussionen, wie es weitergehen solle. Zwei Modelle wurden favorisiert, ohne das eines der beiden eine Mehrheit finden konnte. Zum einen war die Idee, einen gleichartigen Klub woanders in der Stadt zu errichten. Die Kosten- und Beitragsstruktur hätte im wesentlichen Bestand gehabt. Die Investitionen hätten weitgehend aus dem liquiden Vermögen des Klubs bestritten werden können. Die Alternative war, einen wesentlich größeren Klub, mit allen erdenklichen Fazilitäten zu bauen. Dieser sollte im Wettbewerb mit Einrichtungen wie dem Swiss- oder Hollnandse Club bestehen können. Das Investitionsvolumen wäre erheblich gewesen. Zusätzlich zum liquiden Vermögen des Klubs wären Bankfinanzierungen, oder Sponsoring in großem Umfang erforderlich geworden. Für beide Alternativen wurden Standorte geprüft, unter anderem so kühne Ideen, wie einen neuen Klub auf dem Dach des German Business Centres in Jurong zu platzieren.

Die Diskussionen zogen sich über Monate, ohne dass sich Mehrheiten abzeichneten. Gleichzeitig lief die Zeit gegen den Klub. Die Verwirklichung eines Neubaus im gesetzten Zeitrahmen – egal in welcher Alternative – wurde unmöglich. Zwischenlösungen, und eine neue, kurzfristig umsetzbare – Alternative wurden diskutiert. Zum einen ein Mietmodell, praktisch die Anmietung eines Lokals. Dort den Klubbetrieb provisorisch mit Gastronomie fortzuführen, und weiterhin die beiden oben genannten Alternativen zu verfolgen. Zum anderen kam als Alternative auf, den eigen Klubbetrieb aufzugeben, und die Mitglieder in den Swiss Club zu überfuhren.

Im seinerzeitigen Vorstand kam es zu einer Ermattung, der Elan einen Neubau zu managen ließ mehr und mehr nach. Nach Monaten der Diskussion, ohne zu mehrheitsfähigen Lösungen zu kommen, und unter zunehmendem Zeitdruck, beschloss man die Swiss Club Option.

Der Handel war, dass der weitaus größte Teil des liquiden Vermögens des Deutschen Klubs an den Swiss Club übertragen wird. Im Gegenzug werden alle Mitglieder, die vor einem definierten Stichtag in den Deutschen Klub eingetreten sind, ohne die sonst fällige Aufnahmegebühr von mehreren tausend Dollar, als stimmrechtslose Associate Members in den Swiss Club übernommen. Weitere Regelungen betrafen das Personal und Teile des Inventars. Der Klubbetrieb selber wurde zum Ende April oder Mai 2000 (da bin ich nicht mehr ganz sicher) aufgegeben, Grundstück (und ich meine auch Gebäude, aber bin auch da nicht sicher) an die Liegenschaftsverwaltung der Bundesrepublik Deutschland übergeben. Die letzten Wochen des Betriebs im Klubhaus hatten jeden Tag den Charakter von Abschiedsparties.

Die Umstände der Entscheidung pro Swiss Club, und die folgenden Ereignisse betreffend Deutsche stimmrechtlose Mitglieder im Swiss Club zu beschreiben, ginge hier zu weit. Das ergäbe Stoff für einen eigenen Post.

Einen Deutschen Klub gab es fortan nicht mehr. Als Rechtsnachfolger hat später eine Gruppe engagierter Mitglieder die German Association belebt, und erhalten. Es gab auch für viele Jahre bald wieder ein Klubhaus. Hier fanden kleinere Veranstaltungen statt, wie Kenneinlerntage für Neuankömmlinge, Freitags gelegentliche Klubabende und an Wochenenden Grillnachmittage statt. Da es aber keine Gastronomie gab, konnte sich das Klubhaus nicht wirklich zu einem zentralen Anlaufpunkt der deutschen Gemeinde etablieren. Auch gelang es, das Klubmagazin Impulse viele weitere Jahre für den Leser kostenfrei zu publizieren und zuzustellen. Im Frühjahr 2019 wurde das Magazin eingestellt, und das letzte Klubhaus aufgegeben. Die German Association besteht weiter, und organisiert eine Reihe von Veranstaltungen, deren Programm man auf der Homepage der Organisation findet.

Wird es wieder einen Deutschen Klub geben ? Aus meiner Sicht eher nicht. Aus finanzieller Perspektive hat sich das Fenster der Möglichkeiten mit dem Beschluss der Übertragung des Großteils des liquiden Vermögens an den Swiss Club endgültig geschlossen. Weiterhin gibt es heute viel mehr Angebote, als noch vor zwanzig Jahren, sei es gastronomisch, sei es generell in der Freizeitgestaltung. Leute sind heute weniger in verfassten Organisationen engagiert, als informell z.B. über soziale Medien. Unternehmen zahlen weniger Expatriat-Packages, die früher zwecks besserer Eingliederung oft Aufnahme- und Monatsgebühren von Klubs enthalten haben. Bestehende Klubs können sich halten, kämpfen aber selber um Neuaufnahmen. Neugründungen mit erheblichen Investitionen sind aber kaum zu realisieren. Last but not least brauchte es sehr engagierte Leute, das zu organisieren, die die entsprechende Zeit bereitstellen könnten – nicht einfach zu finden.

Was ist vom Deutschen Klub geblieben ? Zum einen natürlich die German Association mit ihren Aktivitäten. Dann das Impulse Magazin, nach der Einstellung im März wird es gerade im Rahmen eines Abomodells als alternierende Print- und Onlineausgabe wiederbelebt. Geblieben ist auch das Oktoberfest im Swiss Club. Es wurde dort weiterentwickelt und vergrößert, gehört aber klar zum Erbe des Deutschen Klubs. Geblieben ist auch der letzte Chefkoch, der Erich betreibt heute die bekannte Wurstbude im Chinatown. Außerdem einige ehemalige Mitarbeiter, die in den Swiss Club überfuhrt werden konnten, und dort heute noch arbeiten. Ja, und am Ende, ganz wichtig … viele schöne Erinnerungen !

Am Ende noch eine Bitte : die beiden Bilder sind aus den letzten Monaten des Deutschen Klubs. Leider besitze ich keine besseren. Hat vielleicht noch jemand in Alben oder Schuhkartons weitere Aufnahmen schlummern ? Vielleicht eine Gesamtansicht von außen, dem Pool, Personal oder von den Abschiedsabenden ? Wenn ich davon vielleicht eine Kopie als Scan haben könnte wäre das toll. Danke !

Hinweis – was eigentlich ein knapper Post werden sollte, wurde eher ein kleiner Aufsatz. Zusammengefasst aus eigener Erinnerung und Gesprächen mit Freunden. Wenn sich hier und da ein Fehler oder eine Ungenauigkeit eingeschlichen haben sollte, bitte ich darüber hinwegzusehen. Bewusst enthält der Text keinerlei persönlichen Wertungen und Meinungen zu Ereignissen oder Namen seinerzeit handelnder Personen.