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Review

Taiwan Januar 2009

eine Reise in den Frühling

Da kommen Jugenderinnerungen an Italien auf, wenn man von der konstant warmen Sommerinseln Singapore in das “winterkalte” Taiwan einreist. Im Januar hat Taipei nachts 17°C bei 20% Luftfeuchtigkeit. Ein wunderbarer Frühlingssonntag in Verona könnte das sein.
Gut, daß ich nachts bei der Ankunft nicht nach Taipei reingefahren bin. Vielmehr bin ich in der Nähe vom Flughafen in Tao Yuan geblieben. Eine relativ kleine Stadt, fast provinziell mit einem schönen Hotel, dem Fullon. Eigentlich “Fu Long”. Irgend etwas mit “Drachen”. Das Hotel kostet so wenig wie das sehr schöne YMCA in Taipei gleich am Bahnhof, hat aber allen Komfort, inklusive einer heißen Quelle, die aus 1500m Tiefe Schwefelwasser in ein kleines Badebecken im 16ten Stock fördert. Sehr empfehlenswert.
Aber zurück zum Rundgang durch Tao Yuan.Einige Geschäfte haben geöffnte, obwohl es Sonntag ist. Wenn man so durch die Straßen läuft merkt man erst den Unterschied zu dem tropischen Klima von Singapore. Dort wo einen die Sonne am Körper trifft, wird es schnell angenehm warm. Der Rest des Körpers ist angenehm kühl. Wenn man so durch die Straßen läuft, schafft die tiefstehende Sonne eine angenehme Abwechslung von Temperaturen am ganzen Körper. So wie wenn man im Herbst im  Wald spazieren geht. Wenn einem die Sonne ins Gesicht scheint, dann ist das ein wunderbares Gefühl.
Dazu die Vielfalt der Gerüche. Das ist Asien pur. Alles ist dabei. Die Pflanzen riechen manchmal, die Erde, es kommt ein ANflug von würziger Nitroverdünnung wie bei meinem Großvater in der Schreinerwerkstatt, dann riecht es nach Wäscheri und Büglerei. Es riecht nach Kohleheizung wie in der DDR kurz nach dem Fall der Mauer. Kein Geruch ist zu intensiv, alles nur kurz, nichts durchmischt, alles pur. Dann riecht es etwas säuerlich nach chinesischer Garküche und dann – man glaubt es kaum – nach Rosmarin, nein Thymian, nein Majoran, nein alles falsch, es riecht ganz deutlich nach Oregano. Kein Wunder, man biegt um die Ecke und da ist ein italienisches Nudelhaus, wo es Pasta mit Tomatensauce gibt. Allerdings kein Europäer, ich bin anscheinend der einzige Kaukasier hier. So nennt man die weißen Menschen in Asien. Die von hinter dem Kaukasus. Der Spaziergang der Gerüche geht weiter, am Fluß riecht es nach Algen, beim Überqueren der Straße riecht man die Kanalisation. Dann vorbei an einem nach den nach feuchten Pflanzen in der Morgensonne riechenden Kohlfeld mitten in der Stadt. Der Bauer, der es kontrolliert hatte und nun zu seinem Fahrrad geht, schaut schwitzend unter seinem Strohhut raus. Fotografieren lässt er sich natürlich nicht, schade daß ich nicht seinen Geruch aufnehmen konnte.
Man biegt um die Ecke in eine schattige Straße aus der es einem kalt-feucht modrig wie aus einem Keller entgegenströmt, man geht einige Schritte, dann riecht es nach altem Holz, das sich in der Sonne aufwärmt, wie wenn man sich im Winter an der Wand eines Heustadels in der Sonne wärmt. Dann wieder ein paar Schritte und es riecht wie in eine Studentenbude in einem Haus aus dem 19ten Jahrhundert, in dem sich die Essensgerüche der exotischen Abendessen der letzten 50 Jahre und der wilden Parties der 80er Jahre wiedererkennen lassen. Wie die Frauenstraßen-WG in München halt.
Scooter und kleine Motorräder sieht man überall. Eine klassische Yamaha SR 150 ist dabei. Schaut aus wie die kleine Schwester der berühmten SR500, meinem Motorrad während der Bundeswehrzeit, die in der tiefstehenden Wintersonne wunderbar nach Benzinschlauchgummi, stumpfer Lackierung und feuchtem Sattelpolster duftet.
An der Straßenecke ist ein chinesisches Schild, auf dem ich die Worte “italienisches Kaffeehaus” zu erkennen glaube, es deutet auf 300m Entfernung hin. Ich folge dem Schild in die Nebenstraße und nach einigen geschlossenen Geschäften, einer Trinkwassertankstelle und einer Gewürzverkäuferin komme ich zum Roma, einer Bar in der eine italienische Kaffeemaschine steht. Die drei Burschen dort sind sehr nett und ich genieße den schwarzen Sonntagskaffee zur schönen ruhigen Musik von Joanna Wang, von der ich lerne, daß sie eine Chinesin ist, die in USA lebt.
Danach geht es weiter. Tao Yuan der Aussichtsberg. Ich habe ein Taxi genommen, um mich rauffahren zu lassen. Es scheint die ganze Stadt dort zu sein. Die Straße rauf wird von kleinen Marktständen gesäumt, wo man alles kaufen kann. So wie früher bei uns zuhause am Marktsonntag.
Und die Musik-CDs von Deng Li Jun. Spielzeug, Puzzles, Stofftiere, Haushaltswaren, Geschirr, Bettwäsche, Kleidung, Werkzeug,
Und wieder die Gerüche der Straßenküchen.
Ein Päckchen Rasierklingen.
Der Flaschenöffner aus edlem Aluminiumguß.
U-Bahn-Fahren ist klasse. Der ganze Wagen starrt einen an, weil man so anders ist. Wie wenn man ein Monster wäre. Und es stimmt auch, mit 1,80m Größe ist man größer als alle anderen Mitfahrenden.
Taiwan ist echt klasse. Nicht so massengroßstädtisch wie Shanghai und die Gegend drum herum, nicht so heiß und eng wie Singapore, eher noch kleiner und vielfältiger, ländlicher und abwechslungsreicher. Wenn man sich weg entfernt von den großen Städten.
Reise mit dem TGV nach Kao Shian. Früher so bedeutend wie Hong Kong und Singapore, was Container-Umschlag angeht. Heute nicht mehr.

(wird noch ergänzt)

Update Januar 2011

weitere Erkenntnisse

seit dem Januar 2009 bin ich nun das vierte Mal in Taiwan.

Die letzten beiden Male war ich immer im Fulong Hotel in Taoyuan, das ist schon nicht schlecht. Man ist recht nah beim Flughafen, fuer nur 5.00 EUR mit dem Taxi. Und Tao Yuan hat einiges zu bieten, eine mittelgrosse Stadt, eher ruhig. Das Fulong Hotel hat ein sehr brauchbares Fruehstueck und grosszuegige Zimmer. Der Swimmingpool ist draussen und nicht beheizt! Das Fitnessstudio ist unterer Standard, dafuer gibt es eine heisse Mineralquelle, ein Dampfbad und eine Sauna. Man kann zu Fuss in das Stadtzentrum laufen und es gibt eine Menge Restaurants drumherum.

Dieses Mal bin ich mit dem Bus 705 zu der HSR-Station Taoyuan gefahren, das ist praktisch kostenlos. Von dort fuer 10.00 EUR nach Taichung, eine Stadt in der Mitte Taiwans, darum heisst sie auch so. In Taichung gibt es das recht moderne Le Parker Hotel http://leparker.nethotel.com.tw, wo man fuer einen moderaten Preis eine Uebernachtung mit brauchbarem Fruehstueck bekommt. Fuer 5.00 EUR ist man von dort mit dem Taxi an der HSR Station Taichung und in 50 Minuten fuer etwa 10.00 EUR in Taipei Zentrum. Es gibt einen direkten Zug nach Bancai, der Industriegegend im Sueden von Taipei, manche schaetzen das.

Taichung ist recht lebhaft, aber kleinstaedtisch im Vergleich mit Taipei. Das Le Parker Hotel liegt mitten im Night Market von Taichung, der in ganz Taiwan bekannt ist. Unterhaltsame Abende sind da garantiert, es gibt viel zu sehen. Wenn man darauf Einfluss hat, dann sollte man versuchen, ein Zimmer im 8. Stock zu bekommen, direkt neben dem Business Center, wo es Internet umsonst gibt und einen kleinen Balkon, auf dem man sogar eine Zigarre rauchen kann. Es gibt keinen Fernseher, man ist abends also in aller Regel alleine.

In Taichung gibt es uebrigens rund um den “normalen” Bahnhof herum eine Unmenge an Elektronik-Shops, in denen man alles bekommt, was das Bastlerherz begehrt und was man woanders auf der Welt nicht mehr bekommt. Aehnlich zum Sim Lim Tower in Singapore.

Flying Jetstar Singapore – Taipei – Osaka and back

dog’s food on the airplane